Typisches Täterverhalten

Kriminologie und Strafverfolgung haben in den letzten hundert Jahren große Fortschritte gemacht. Die Analyse von unzähligen aufgedeckten Straftaten ermöglicht es wiederkehrende Muster im Tatverhalten zu erkennen, die Rückschlüsse auf den Täter zulassen.

Man muss hierbei zwischen zwei Deliktsgruppen unterscheiden: Solchen bei denen eine vorangegangene Beziehung zwischen Täter und Opfer besteht und solchen, bei denen dies nicht der Fall ist.

Damit es nun zu einer Straftat kommt, müssen drei Voraussetzungen erfüllt sein:

  1. Täter und Opfer müssen aufeinander treffen
  2. Es muss eine Gelegenheit zur Tat geben
  3. Der Entschluss zur Tatausführung muss beim Täter enstehen

Während die ersten beiden Voraussetzungen bei Beziehungstaten bereits vorliegen, ist es am Täter diese bei ihm unbekannten Opfern selber herbeizuführen.

Die Art wie er potentielle Opfer identifiziert und wie er die Gelegenheit schafft, kann uns nun einiges über ihn verraten.

Methodik der Opferidentifikation

Gehen wir also einmal von einem grundsätzlich zur Tat geneigten Menschen aus (näheres zu den diesbezüglichen Hintergründen unter Kriminalitätstheorien), der zuhause sitzt und überlegt, wie er ein potentielles Opfer finden kann. Welche Möglichkeiten bieten sich ihm grundsätzlich?

    Primäre Opfersuche

  Gezielt suchender Täter                                           Gelegenheitstäter

Erstens kann er gezielt das Haus verlassen und auf die Jagd nach einem möglichen Ziel gehen. Als Ziel kann hier je nach Tatgeneigtheit ein Mensch oder eine Sache (etwa eine Wohnung oder Geschäft) gemeint sein.

In der Regel wird er bekanntes Terrain bevorzugen und in seiner erweiterten Wohngegend anfangen. Viele halten hierbei zwar eine Art intuitiven Sicherheitsabstand zu ihrer eigenen Straße bzw. ihrem Wohngebäude ein, bewegen sich aber ansonsten in der näheren Umgebung. [1]

Sucht der Täter einen Menschen als Tatobjekt, bieten sich eine Vielzahl von typischen Orten an, an denen er dies erreichen kann. Vom öffentlichen Park, über das Einkaufszentrum, einer Bar bis hin zum Schwimmbad.

Interessant kann im Einzelfall allerdings die konkrete Wahl des Ortes sein. Sie gibt einen Maßstab für das Vertrauen des Täters in seine Fähigkeit sich in die gewählte Umgebung einzufügen, ohne seine Absichten zu verraten oder anderweitig aufzufallen. Ferner kann bei wiederholten Taten regelmäßig ein bevorzugter Ort als Teil seines individuellen Stils ausgemacht werden.

Die zweite Möglichkeit unseres geneigten Täters, der aber nicht gezielt auf die Suche nach einer Gelegenheit gehen möchte, ist es zu warten, bis die Gelegenheit zu ihm kommt.

Dies kann ebenfalls auf einer Vielzahl von Arten geschehen. Jedoch sagt uns bereits die Wahl dieser Vorgehensweise, dass der Täter ein grundlegendes Maß and sozialer Integration besitzen muss. Ansonsten wäre sie kaum erfolgversprechend. (Dies heißt übrigens nicht, dass der erste Typ diese nicht auch besitzen kann)

Gleichzeitig ist der zweite Typ jedoch geduldiger, d.h. er hat eine größere Kontrolle über seine Tatneigung.

Methodik der Tatausführung

Angenommen der Täter hat nun ein geeignetes Opfer gefunden, brauch er nur noch eine Gelegenheit zur Tat. In den meisten Fällen wird ihm diese nicht auf dem Silbertablett serviert, insbesondere wenn er das Opfer in der Öffentlichkeit aufnimmt.

Primäre Methode

Passiver Täter                          Fallensteller                      Aktiver Täter

Der erste Täter ist der, der keine Möglichkeit sieht sich selbst eine Gelegenheit zu schaffen. Er hofft, dass ihm der Zufall hilft und er sich eines Tages mit ausreichende Zeit alleine und in guter Position mit dem Opfer wiederfindet. [2] Kennzeichnendes Merkmal dieses Typs ist ein gewisses Maß an Fantasielosigkeit und fehlende Fähigkeit zur Problemlösung.

Der zweite Typus ist ein Stück weit methodischer. Auch gerne als „Fallensteller“ [3] bezeichnet, zieht er die Kontrolle des Ortes über die des Opfers vor. Er macht eine geeignete Stelle aus und wartet, bis das Opfer von selber erscheint oder ggf. herangelockt wird. Die zwar etwas überzeichnete, aber im Grundsatz anwendbare Idee der „dunklen Gasse“ ist seine Domäne.

Der aktivste ist schließlich der dritte Typ. Er folgt seinem Ziel, bis er eine Gelegenheit sieht und daraufhin das Opfer unter Kontrolle bringt. [4]

Interessant ist hierbei die konkrete Wahl der Methode: Vertraut er auf seine körperliche Überlegenheit oder auf seine soziale Kompetenz? Zwingt er das Opfer, oder überredet er es freiwillig mit ihm mitzukommen? Diese Fallgruppe und Sub-Differenzierung ist möglicherweise die interessanteste, da sie wohl am meisten über den Täter aussagt.

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[1] Rossmo, D. K. 2000. Geographic Profiling. Washington: CRC Press.
[2-4] Ebd.